Alle Bösewichte sind schon da . . . 14  |  14.04.2019 14:00

Nach elf Jahren kehrt Halbdämon „Hellboy“ ins Kino zurück – mit einer heftigen Effekt- und Splatter-Show.

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Als düsterer und wesentlich härter war der neue Auftritt des höllischen Kämpfers in „Call of Darkness“ angekündigt. Wenn man sich unter „härter“ blutige Metzeleien und Verstümmelungen vorstellen sollte, trifft dies auf die von Neil Marshall inszenierte dritte Adaption der Comic-Vorlage zweifellos zu. Die Freigabe ab 16 Jahre ist dem geschuldet, an FSK 18 führte wohl nur der Einsatz von Ironisierung und bewusster Übertreibung vorbei.
So übernimmt der neue „Hellboy“-Film den sarkastischen Humor seiner Vorgänger, verliert ihn aber mit Fortschreiten der Handlung immer mehr aus den Augen. Da wird dann ohne ironische Brechung des Gezeigten drauflos gesplattert, was das Zeug respektive der digital bearbeitete menschliche Körper hält.
Trickreich umgesetzt, muss der rote Dämon, der sich im Dienst der guten Seite stehend die höllischen Hörner abgesägt hat, der aus König Artus’ Zeiten stammenden unsterblichen Hexe Nimue (Milla Jovovich) klarmachen, wozu seine Steinfaust in der Lage ist.
Stilistisch liegt der neue „Hellboy“ näher an „Deadpool“ als an den eigenen Vorbildern. Der prägende schwarze Humor geht jedoch zunehmend verloren. Und nicht nur das: In Szenen wie jenen mit dem sprechenden Warzenschwein als üblem Monster und im Kampf gegen drei Riesen ist für das Fantasy-Spektakel die Grenze zur Lächerlichkeit mehr als erreicht. Nicht zu vergessen, dass der Ekelfaktor es auf gewisse Höhen schafft.
Viele Einflüsse und Hintergründe sind da reingepackt. Neben der Artus-Legende samt auferstandenem Zauberer Merlin findet sich die aus Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ bekannte Hexe Baba Yaga mit Hütte ebenso wie etwas „Herr der Ringe“. Wenn dann im ermüdenden Effekte-Overkill Londons St. Paul’s Cathedral zerlegt wird, leidet das Niveau aber heftig. Und von der Klasse der früheren „Hellboy“-Filme bleibt spätestens dann kaum etwas übrig.
 Klaus Dammann