Ein schillerndes Showtalent Neu  |  03.01.2018 09:00

Der Star ist der „Vogel des Jahres 2018“. Jedes Kind kennt ihn, doch sein Bestand nimmt stetig ab, deshalb muss sein Lebensraum - Streuobstwiesen und Weideflächen – erhalten werden.

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WÜRDE BEI JEDEM CASTING ABRÄUMEN: Der Star (Sturnus vulgaris, im Bild ein Männchen im Prachtkleid) ist der „Vogel des Jahres 2018“. Foto: Nabu

WÜRDE BEI JEDEM CASTING ABRÄUMEN: Der Star (Sturnus vulgaris, im Bild ein Männchen im Prachtkleid) ist der „Vogel des Jahres 2018“. Foto: Nabu

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und sein bayerischer Partner Landesbund für Vogelschutz (LBV) haben den Star (Sturnus vulgaris) zum „Vogel des Jahres 2018“ gewählt. Der schillernde Singvogel löst den Waldkauz ab.
Aus Kinderliedern kennen alle den Star. „Doch der vielseitige, plaudernd-schwätzende Gesang des Stimmkünstlers ist seit Jahren im Südwesten immer seltener zu hören“, sagt Stefan Bosch, Vogelschutzexperte des Nabu Baden-Württemberg. „Es fehlt ihm zunehmend an Lebensräumen mit Brutmöglichkeiten und Nahrung, besonders verursacht durch die industrielle Landwirtschaft“, führt Bosch aus. In Baden-Württemberg gibt es über das ganze Land verteilt noch etwa 320000 Brutpaare – damit ist der Star hier der zehnthäufigste Brutvogel.
„Der Star ist ein echtes Showtalent und würde bei jedem Casting abräumen“, sagt Bosch. Optisch bilden Männchen und Weibchen ein hübsches Paar – er mit metallisch glänzendem Gefieder, sie im mit hellen Punkten verzierten Prachtkleid. „Stimmlich ist der Star ein Könner der Imitation. Zudem bieten Starenschwärme im Frühling, aber auch im Herbst vor dem Vogelzug, einen faszinierenden vielstimmigen Chorgesang“, so der Ornithologe. Vor allem die Schwarmflüge sind ein spektakuläres Naturschauspiel, obwohl die Kurzstreckenzieher zunehmend bei uns im Südwesten überwintern.
In Deutschland ist der Bestand in nur zwei Jahrzehnten um eine Million auf inzwischen drei bis 4,5 Millionen Paare zurückgegangen. Die Zahl schwankt, abhängig vom Nahrungsangebot und dem Bruterfolg im Vorjahr. „Am Bodensee hat die Zahl der Brutpaare zwischen 1980 und 2010 um ganze 38 Prozent abgenommen“, rechnet Bosch vor. „Wichtig für den Star ist – wie für viele gefährdete Vogelarten der Agrarlandschaft – wieder mehr Wiesen und Weiden extensiv zu nutzen, das heißt seltener und zur richtigen Zeit zu mähen, sowie Stoppelbrachen zu erhalten“, erklärt der Vogelschützer.
Stare brüten oft kolonieartig, sofern genügend Baumhöhlen zur Verfügung stehen, beispielsweise in Hartholzauen, Laub- und Mischwäldern oder Streuobstwiesen, aber auch oft in Dörfern und Städten. Dort bauen sie ihre Nester in Nistkästen oder Hohlräume an Dächern und Fassaden. Nahrung finden sie in nahe gelegenen Grünflächen, Kleingärten und auf Friedhöfen. Doch auch im Siedlungsgebiet schwindet der Lebensraum des Singvogels durch Bauvorhaben und Sanierungen.
Der Star ist kein Kostverächter: „Seine Nahrung ist vielseitig und besteht aus allerlei Kleintieren und Früchten. Die stark industrialisierte Landwirtschaft mit ihren Spritzmitteln und damit einhergehend dem Schwund von Insekten macht auch dem Star zu schaffen. „Wer dem Star und anderen Vögeln im Garten etwas
Gutes zu will, verzichtet auf Insektizide und gestaltet seinen Garten naturnah, etwa mit einer Beerenhecke“, rät Bosch. Geeignete Nistplätze fehlen dort, wo alte Bäume mit Bruthöhlen entfernt werden. Hier können Gartenbesitzer helfen, indem sie neue Hochstämme pflanzen, die später bezogen werden können.