Leiser Räuber auf Samtpfoten 15  |  10.01.2018 08:00

Die Europäische Wildkatze wurde zum Wildtier des Jahres 2018 ernannt. Vieles über die Lebensweise der eleganten Waldbewohner liegt bis heute im Verborgenen.

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VON WEGEN VERWILDERTE HAUSKATZE: Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) ist das Wildtier des Jahres 2018. Foto: pm

VON WEGEN VERWILDERTE HAUSKATZE: Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) ist das Wildtier des Jahres 2018. Foto: pm

Wildkatzen sind keineswegs, wie immer wieder behauptet wird, verwilderte Hauskatzen. Sie unterscheiden sich schon optisch von unseren Stubentigern: Alle Exemplare von Felis silvestris haben eine gelblich-graue Unterwolle, einen stumpf endenden Schwanz mit zwei bis drei schwarzen Ringen und eine fleischfarbene Nase. Wildkatzen sind – im Gegensatz zu ihren domestizierten Verwandten – außerdem extrem selten.
„Die streng geschützte Art ist auf Schutz und den Erhalt naturnaher Wälder sowie hecken- und gehölzreiche Kulturlandschaften angewiesen“, sagt Malte Götz. Der Biologe und Wildkatzenexperte der Deutschen Wildtier-Stiftung betont, wie wichtig das Engagement für die Räuber auf samtenen Pfoten ist: „Noch immer liegt vieles über die ökologischen Ansprüche der Wildkatze im Verborgenen. Ihr Lebensraum ist der Wald, und sie sind überwiegend in der Dämmerung und der Nacht aktiv.“
Wie weit menschliche Aktivitäten in den Wäldern wie zunehmender Verkehr auf Waldwegen oder der Betrieb von Windenergieanlagen das Verhalten und die Lebensbedingungen der Wildkatzen beeinflussen, ist bisher nicht erforscht. „Die Deutsche Wildtier-Stiftung untersucht zusammen mit Wildkatzenexperten in einem dreijährigen Forschungsprojekt in Rheinland-Pfalz, wie sich eine zunehmende menschliche Nutzung von Wäldern, in denen die Wildkatze lebt, mit dem Artenschutz verträgt. Ziel des Wildkatzenschutzes ist eine Wiederbesiedlung aller geeigneten Waldlebensräume.“
Vor allem im Herbst droht den getigerten Räubern Gefahr: Sie bereiten sich auf den Winter vor, sind ist ständig auf der Suche nach Nahrung, denn nur wer sich mit Mäusen - vor allem Wühlmäuse stehen auf der Speisekarte - ausreichende Fettvorräte angefressen hat, kommt gut durch den Winter. Dabei verlieren viele Wildkatzen ihr Leben durch Unfälle auf den Straßen: „Vor allem junge, unerfahrene Tiere werden auf der Suche nach einem eigenen Streifgebiet häufig überfahren“, sagt der Biologe Malte Götz. „Gerade aber auch der hohe Verlust geschlechtsreifer Tiere, die für den Bestand und Erhalt der Art so wichtig sind, wirkt sich negativ auf die Entwicklung der Population aus.“