Komatrinken auf dem Rückzug 13  |  29.12.2019 11:00

Aber: Trotz sinkender Fallzahlen bleibt der Alkoholmissbrauch auch in der Region Ostwürttemberg weiterhin ein nicht zu unterschätzendes Problem.

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TENDENZ RÜCKLÄUFIG: Aber auch wenn die Fallzahlen in Ostwürttemberg sinken, Entwarnung kann beim Thema Alkoholmissbrauch nicht gegeben werden.

TENDENZ RÜCKLÄUFIG: Aber auch wenn die Fallzahlen in Ostwürttemberg sinken, Entwarnung kann beim Thema Alkoholmissbrauch nicht gegeben werden.

Foto: AOK

Feiern, Treffs, Geburtstage, Jubiläen, gemütliche Zusammenkünfte: Es gibt viele Anlässe, zu denen Alkohol getrunken wird. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist bei jungen Männern im Alter zwischen 15 und 29 Jahren jeder vierte Todesfall auf Alkohol zurückzuführen.
Die gute Nachricht: In Baden-Württemberg sinkt die Zahl der Personen, die wegen Alkoholmissbrauchs in ein Krankenhaus eingeliefert werden müssen, seit Jahren, und auch in Ostwürttemberg macht sich dieser Trend bemerkbar. Das geht aus einer Statistik hervor, die die AOK nun vorgelegt hat.
Demnach ist die Fallrate der Krankenhausbehandlungen von 2014 bis 2018 landesweit bei den Männern jährlich um 4,9 Prozent und bei den Frauen um 5,2 Prozent gesunken. In Ostwürttemberg sanken die Krankenhausfallraten im gleichen Zeitraum bei den Frauen um jährlich 3.2 Prozent und bei den Männern um 6,2 Prozent.
In Baden-Württemberg befanden sich im letzten Jahr rund 10 940 Versicherte der AOK wegen alkoholbedingter Störungen in stationärer Behandlung. In Ostwürttemberg waren es 372 Personen, 230 im Ostalbkreis, 142 im Landkreis Heidenheim. Männer sind (außer in der Altersgruppe der zehn- bis 14-Jährigen) laut AOK deutlich häufiger betroffen als Frauen. Die Dunkelziffer könnte allerdings höher sein, da nur Versicherte ermittelt wurden, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden. Viele Betroffene mit alkoholbedingten Störungen bleiben unbehandelt oder haben erst spät Kontakt zu einem Arzt.
 
Deutliche Abnahme auch beim „Komatrinken“
 
Auch beim „Komatrinken“ zeigt sich eine deutliche Abnahme: In Ostwürttemberg befanden sich im Jahr 2018 insgesamt 154 Versicherte der AOK deswegen in stationärer Behandlung. 2014 waren es noch 202 Versicherte; im Jahr 2018 waren es 47 Frauen und 107 Männer. Unter den Patienten befanden sich im letzten Jahr 29 Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren, 2014 waren es 46 Jugendliche.
„Die Veränderungen sind sehr positiv zu bewerten. Immer mehr Jugendliche verzichten komplett auf Alkohol. Außerdem sinkt in dieser Altersgruppe auch der Anteil derer, die regelmäßig alkoholische Getränke zu sich nehmen, und auch das Rauschtrinken geht zurück“, sagt Kathrin Schumann, Gesundheitsexpertin der AOK Ostwürttemberg. Trotz der positiven Entwicklung sieht sie aber keinen Grund zur Entwarnung: „Rauschtrinken ist ein gesundheitlich besonders riskantes Trinkverhalten, das akute Schäden wie Alkoholvergiftungen und Verletzungen sowie Gewalt gegenüber Dritten zur Folge haben kann. Langfristig betrachtet sind Alkoholabhängigkeit und organische Schäden möglich.“