Nur müde - oder doch krank? 14  |  02.11.2019 16:00

Nicht immer ist Sekundenschlaf in der Schule oder am Arbeitsplatz auf reine Müdigkeit zurückzuführen - dahinter kann auch eine lebensbedrohliche Krankheit stecken.

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NICHT IMMER SIND LANGWEILE ODER MÜDIGKEIT SCHULD: Wenn zur falschen Zeit am falschen Ort geschlafen wird, kann auch eine Krankheit die Ursache für ständige Müdigkeit sein.

NICHT IMMER SIND LANGWEILE ODER MÜDIGKEIT SCHULD: Wenn zur falschen Zeit am falschen Ort geschlafen wird, kann auch eine Krankheit die Ursache für ständige Müdigkeit sein.

Foto: stock.adobe.com/moodboard

Sekundenschlaf in der Schule oder am Arbeitsplatz kann lästig sein. Richtig gefährlich allerdings wird es, wenn die Müdigkeit im Auto zuschlägt.
Mit einer großen Kampagne macht der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) auf eine stark unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr aufmerksam. In Kooperation mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) finden die Aktionstage „Vorsicht Sekundenschlaf“ statt. Eine in diesem Zusammenhang geführte Umfrage hatte ergeben, dass jeder vierte Fahrer schon einmal am Steuer eingeschlafen ist. „Gegen Sekundenschlaf am Steuer Aufklärung zu leisten, ist Priorität, vor allem da Schlafstörungen immer weiter zunehmen, jedoch heruntergespielt oder sogar ganz ignoriert werden“, weiß Dr. Robert Frey, ärztlicher Direktor der Heidelberger Seegartenklinik: „Hinter andauernder Müdigkeit kann auch eine obstruktive Schlafapnoe stecken, hier können wir Betroffenen mit Behandlungen helfen.“
Etwa 25 Prozent der Unfälle im Straßenverkehr sind auf Sekundenschlaf zurückzuführen. Dabei betrifft dies sowohl private als auch gewerbliche Vielfahrer, wie Vertreter oder Lkw-Fahrer. Die gefährliche Phase kündigt sich vorab durch Zusammenzucken und langsames Zufallen der Augen oder auch ein Frösteln an. Nur drei Sekunden geschlossene Augen bedeuten bei 100 Stundenkilometer schon eine Strecke von fast 100 Metern ohne Kontrolle über das Fahrzeug.
Heiko Musiolik, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Heilung der Schlafapnoe weiß: „Viele Menschen, die ständig unter Müdigkeit leiden, verschweigen es, vor allem, wenn sie berufsbedingt aufs Auto oder den Lkw angewiesen sind. Dabei kann die Ursache eine obstruktive Schlafapnoe sein.“ Bei dieser Erkrankung liegt eine Verengung der oberen Atemwege vor, die durch einen nicht ausreichend nach vorn gewachsenen Kiefer entsteht. In der Schlafphase entspannt die Zunge und blockiert die Atemwege. Die Folge: Betroffene können nicht mehr atmen und der Körper reagiert mit einer reflexartigen Weckreaktion. Dieser Vorgang findet je nach Schweregrad der Krankheit über 70 Mal pro Stunde statt. Der Körper findet nachts keine Erholung und zeigt dies in extremer Tagesmüdigkeit. Doch auch die Risiken für Schlaganfälle, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes Typ 2 steigen bei unbehandelter obstruktiver Schlafapnoe. Direkte Symptome sind Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, starkes Schwitzen im Schlaf und häufiger Harndrang in der Nacht sowie ein trockener Mund am Morgen. Auch ein „fliehendes Kinn“ kann Indiz für eine Verengung der Atemwege sein.
Im Fall einer obstruktiven Schlafapnoe hat Dr. Frey sich in seiner Klinik auf eine operative Behandlung spezialisiert, mit der er auch bei schweren Patientenfällen die Ursache beheben will.
Eine andere Behandlungsmöglichkeit besteht in der Verwendung einer Maske, die während des Schlafens getragen wird. Weitere Information unter www.schlafapnoe-hilfe.de.